..war ein Seeräuber. Er soll früher einmal ein Ritter gewesen sein, aber das weiss niemand genau.

Auch wie er richtig hieß, weiß man nicht.
Godeke Michel, der Räuberhauptmann, hatte ihn eine Zeitlang auf Probe genommen. Er wollte sehen, ob er auch stark und mutig genug war.
Nach einigen Monaten sah er, daß er den richtigen Mann gefunden hatte. Nie hatter er einen an Bord gehabt, der im Kampf so wütend dreinhieb. Der Neue sollte noch eine letzte Probe bestehen, bevor der Hauptmann ihn zum Kapitän eines Räuberschiffes machte.

Godeke Michel reichte Klaus einen gewaltigen Becher, der war bis zum Rand mit Wein gefüllt. Klaus setzte an und goß den ganzen Becher voll in einem Zuge hinunter. “Bravo!” schrien die anderen. “Bravo! Das hat noch keiner gekonnt! Becherstürzer, Störtebeker soll er heißen! Bravo, Klaus Störtebeker!” So erhielt er seinen Namen und sein eigenes Schiff, den  “Roten Teufel” Das Schiff war pfeilschnell und hatte rote Segel. Es holte jeden Kauffahrer ein. Und sobald die Schiffe Seite an Seite fuhren, warfen die Räuber eine Fallbrücke hinüber und stürmten mit wildem Geschrei an Board. Im Kampf stachen sie alle nieder, die sich ihnen in den Weg stellten. Mit den Gefangenen machten sie kurzen Prozess. Sie warfen sie einfach über Board. Nur wenn einer reich war, daß er Lösegeld zahlen konnte, ließ man ihn am Leben.

Einmal aber hat Störtebeker alle Gefangenen am Leben gelassen, ja, er hat sie sogar nach Hause gebracht. Das war in der Ostsee. Eine Stralsunder Kogge fuhr nach Norwegen, um Salzheringe zu holen. Unterwegs fielen sie den Seeräubern  in die Hände. Sie wehrten sich, so gut sie konnten, aber am Ende mußten sie sich ergeben.

Da standen sie nun und warteten darauf, daß Klaus Störtebeker sie ebenso wie die Toten über Bord werfen ließ. Der aber brauchte für seinen “Roten Teufel” neue Streiter, denn allzu viele seiner Leute waren im Kampfe gefallen. Er wollte aber nur Männer haben, die freiwillig kamen, und nicht aus Angst. So sprach er zu den Gefangenen: “Ihr wißt, daß ich euch nach Seeräuberbrauch über Bord werfen kann. Wer bei mir bleiben will, der trete vor ! Der soll mir folgen, solange er lebt! Wer aber keine Lust dazu hat, den will ich sicher nach Stralsund bringen.” Da traten von den achtzig Gefangenen dreißig wilde Gesellen vor und schwuren ihm allzeit treu zu dienen.

“Und ihr”, brüllte er die andern an, ” ihr wollt nach Stralsund?- Gut! Ihr sollt hinkommen, ich gab euch mein Wort. Aber damit ich sicher bin, daß keiner von euch mich verrät, will ich jedem eine Kajüte geben. Darin soll er wohnen, bis wir an der Kaimauer angelegt haben.”

Aus dem Buch: Ostfriesiches Lesebuch (1966)

Klaus Störtebeker I
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