Als es den Hamburgern mit der Seeräuberei gar zu arg wurde, beschloß ihr Bürgermeister Simon von Utrecht, selbst zum Kampf mit hinauszufahren. Sein Admiralschiff hieß die  “Bunte Kuh von Flandern”.
Er erwischte manches Seeräuberschiff. Auch den Godeke Michel fingen sie eines Tages. Nur Störtebeker schnappten sie nicht.

Der fuhr in die Elbe und versteckte sich bei der Insel Neuwerk. E glaubte, dort würden ihn die Hamburger am wenigsten suchen. Da kam eines Nachts ein Fischerboot heran, und der Fischer bat mit kläglicher Stimme, ob er an der Seite es “Roten Teufels” Schutz suchen dürfe vor dem Sturm. Er wollt sich auch gern ein Feuerchen anzünden und eine Suppe aufwärmen; denn er hätte den ganzen Tag noch nichts Warmes gegessen. Er wärmt sich aber keine Suppe, sondern schmolz heimlich Blei in dem Tiegel und goß das glühende Metall an die Angeln, in denen das Ruder von Störtebekers Schiff sich drehte. Dann fuhr er heimlich davon.

Als der Morgen kam, sahen die Seeräuber vier Hamburger Koggen mit vollen Segeln herankommen. Sie setzten Segel und wollten auf und davon. Aber Störtebeker mochte das Ruder ziehen und zerren wie er wollte, es bewegte sich nicht. Er ließ Öl glühend machen, um das Blei damit zu schmelzen, aber vergebens. Da waren sie alle verloren. Etliche fielen im Kampf, aber die meisten wurden gefangen, auch ihr Hauptmann Störtebeker.

“Laßt mich frei “, bat er  “und ich gebe euch eine Kette aus schierem Gold, die ihr um ganz Hamburg legen könnt!” Aber die Hamburger verurteilten sie alle zum Tode. Weil sie tapfer gekämpft hatten, sollten sie nicht aufgehängt, sondern sollten geköpft werden.
Das Los sollte entscheiden, wer zuerst den Kopf hinhalten mußte. Da sprach Störtebeker: ” Bin ich immer der erste vor meinen Männern gewesen, so will ich auch heute nicht hinter ihnen bleiben. Wollt ihr mir aber eine letzte Bitte gewähren, so schenkt denen das Leben, an denen ich noch ohne Kopf vorübergehen werde.” Das versprach man ihm. Als sein Kopf in den Sand rollte, lief er noch an elf seiner Gesellen vorbei. Dann fiel er tot um. Die elf blieben am Leben. Alle anderen empfingen den Todesstreich. Ihre Kopfe setzte man der Elbe entlang auf Pfähle, zur Warnung für alle Seeräuber.

~~ Ende ~~

Aus dem Buch: Ostfriesiches Lesebuch (1966)

Klaus Störtebeker III
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